Zwischen allen Stühlen
Ich steh zwischen Stühlen, so viele im Kreis, die Welt meiner Eltern – gebrochen, doch heiß. Ein Netz aus Geschichten, die keiner mehr kennt, und jeder erzählt, was den andern verbrennt. Die Mutter mit Männern, der dritte schon da, der Vater mit Frau und dem kleinen Papa. Der zweite, der war’s, der mich wirklich erzog, doch auch er ging weiter, ein neuerer zog. Ein Bruder hier, ein Bruder dort, mein Herz zerrissen an jedem Ort. Ich bin das Älteste, halte den Ton, doch keiner hört wirklich – ich steh nur davon. Ich lache für alle, ich mach, was man muss, doch innen erklingt nur ein leiser Verdruss. Ich will nur ein „Bleib“, ein Zuhause, ein Wir, doch jede Familie schließt halboffen die Tür. Vertrauen – das Wort, das so einfach klingt, doch es schwindet, wenn jeder an Fäden hingt. Ich gehöre zu niemand, zu allen zugleich, ein Schatten, der wandert, doch nirgends reich. Ich existier’, ja – doch fühl mich dabei, wie Nebel im Morgen, so still und so frei. Vielleicht eines Tages, da find ich den Ort, wo Herz ohne Grenze und Zweifel dort wohnt. Diana I.H.
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