Nur ein Mensch
Man fragt mich leise, fragt mich laut, ob ich heut’ meine Pillen trau’. Als wär mein Herz, wenn’s einmal schreit, ein Fehler nur – nicht Menschlichkeit. Ich darf nicht zornig, nicht zu sehr, nicht traurig sein, sonst heißt es: „Mehr Tabletten braucht’s, dann geht’s dir gut.“ Doch niemand hört, was Wut so tut. Ich lache – „schau, wie stabil sie ist!“ Ich weine – „da stimmt was nicht, gewiss!“ Mein echtes Ich wird analysiert, bis jedes Fühlen korrigiert. Ich bin kein Stein, kein Diagnoseton, ich atme, liebe, kämpfe schon. Ich bin kein Puzzle aus Papier, ich lebe, wie ihr – nur anders hier. Lasst mich doch Mensch sein, mit Gewicht, mit Wellen, Brüchen, Angesicht. Nicht jede Regung ist Defekt, nicht jedes Zittern unentdeckt. Ich will nicht heil, ich will nur echt, nicht ständig falsch, nicht unrecht, schlecht. Ich will nur sagen: „Ich bin hier – mit allem, was gehört zu mir.“
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